Onlineverkostungen erleben einen Boom

Ganz neu ist die Idee ja nicht: Weine und das dazu passende Video auf Youtube, oder eben auch eine geleitet Verkostung via Zoom-Konferenz. Und, und, und …

Aber eines ist klar, das letzte Jahr gab diesen Ideen einen gewaltigen Vorschub. Kreative Händler konnten sicher die Chance nutzen und sich ein neues Kundenfeld erschließen.

War es vor einem Jahr noch normal, dass man zu einer Verkostung hin musste, bestellt man sich jetzt nur das Verkostungspaket nachhause. Vorteil, das oftmals betrunken, wieder Nachhause kommen fällt weg. Niemand stört den anderen, wenn er doch mal etwas plaudern möchte. Man kann essen, rauchen (wenn man es denn möchte) und im Schlafanzug da sitzen.

Kurz und gut, eine schöne neue Welt, also …

Im Schlafanzug verkosten

Hört sich ja eigentlich alles toll an, und VIEL besser als in realitas. Aber wie so oft liegt der Teufel im Detail.

Beginnen wir mal am Anfang, ist man bei der Verkostung allein zuhause und macht sich für jeden Kostschluck eine Flasche auf, bleibt am Ende doch viel Wein übrig. Selbst für einen geübten Trinker sind sechs Flaschen viel. Also sollte man immer zu mehrt sein – macht ja auch mehr Spaß, oder?

Und wenn man dann endlich da sitzt, der Wein ist vorbereitet, der Rechner hergestellt, der Link zum Meeting ist im Browser eingegeben – was soll da noch schiefgehen? Natürlich harkt es dann an der Internetverbindung … ganz klassisch eben.

Selbst bei Wein-Händlern, von denen man glauben würde, diese gehen TOTAL professionell an so eine Onlineverkostung heran, durfte ich Enttäuschungen erleben: begonnen bei der schlechten Internetverbindung bis hin zu Ton- und Bildqualität.

Vorbereitung ist alles!

Jedoch der größte Mangel, und diesen durfte ich bei wirklich vielen Verkostungen im letzten Jahr miterleben, liegt in der schlechten Vorbereitung der ganzen Aktion.

Anstatt sich auf die Möglichkeiten der Digitalisierung einzulassen, wird dies oftmals mehr als dilettantisch gehandhabt. Bestes Beispiel hierfür, dass genutztes Bildmaterial. Anstatt dieses einfach via Präsentation einzublenden, werden wirre Taferln ins Bild gehalten, die man kaum erkennt.

Was sonst bei einer normalen – analogen – Präsentation teils noch gut funktioniert, ist im online Bereich einfach untauglich.

Aber natürlich hatte ich auch das Vergnügen einige gelungene Online-Verkostungen mitmachen zu dürfen. So zum Beispiel, jene unter dem Titel „Weinduell“. Hier wurden drei Weinpaarungen (gemeinsam von Wein und Co, mit den Studenten des FH-Studiengangs Internationales Weinmarketing zusammengestellt) verkostet – lesen Sie hier über die Verkostung – und diese war wirklich gut gemacht: mit Witz, Schmäh und viel Information.

Die Gesellschaft machts aus

Sie haben es vielleicht schon gemerkt, ein großer Freund der Online-Verkostung bin ich nicht. Dies ist natürlich auch eine Geschmacksache. Was mich aber am meisten stört – so wichtig der Wein bei einer Verkostung natürlich ist –, fehlt mir schlicht und einfach die zwischenmenschliche Komponente. Es kann noch so spannend sein, aber am Ende stimmt doch die Aussage: “Beim reden kommen die Leut zusammen”.

Also in diesem Sinne, wie seht Ihr das?