Was das Wiener Schnitzel für Wien ist, ist wohl die Kasnudel für Kärnten. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Volksabstimmung in Kärnten wollen wir uns nun diesem Symbol etwas ausführlicher widmen.

Nur kurz – für die Nichtkärntner –, worum es bei der Volksabstimmung ging: Am 10. Oktober 1920 wurde darüber abgestimmt, ob Kärnten zerrissen werden soll. Dank einer überwältigenden Mehrheit die für den Verbleib der südlichen Teile Kärntens bei Österreich gestimmt haben, wurde dies aber verhindert; weshalb wir heuer am 10. Oktober eben dieses Jubiläum feiern.

Die Kärntner Nudel

Jedoch sind der 10. Oktober und Kasnudeln auf den ersten Blick zwei Sachen, die außerhalb von Kärnten nicht so viel Bedeutung haben. Doch bei genauerem Nachsinnen wird man feststellen, dass die Aussage nicht ganz stimmt: So ist der 10. Oktober 1920 mit seinem Votum für einen Verbleib bei Österreich ein wichtiges politisches Signal seiner Zeit gewesen, welches bis heute nachwirkt. Und auch die Kasnudel – eben auch Kärntner Nudel genannt – ist mittlerweile über die Grenzen von Österreichs südlichstem Bundesland weit hin bekannt. Diese steigende Bekanntheit der mit einer (einfach gesagt) Topfen-Minze-Kartoffel-Fülle versehenen Nudel liegt wohl auch daran, dass Wien mittlerweile zu den größten Kärntner Städten gezählt werden muss, denn ca. 25.000 „Exil-Kärntner“ leben in der österreichischen Bundeshauptstadt.

Eine Mogelpackung

Nun aber zur Kasnudel: Gleich vorweg, die Kasnudel ist keine Nudel im eigentlichen Sinne, es handelt sich hierbei um einen dünn ausgewalzten Nudelteig (siehe Rezept), der zu einer bis zu faustgroßen Tasche geformt und mit verschiedenen Zutaten (im Fall der Kasnudel mit einer Kartoffel-Bröseltopfen-Minze-Füllung) gefüllt wird – wie vielleicht soeben bemerkt, es kommt auch kein Käse in die Nudel. Der Topfen ist hier das Namensgebende Element, wird dieser im Kärntnerischen ja „Kas“ genannt.

Die Kasnudel ist ein sehr traditionelles Gericht, man vermutet das es bereits um 1485 erste Erwähnungen der Nudel-Speise gab. So berichtete der Privatsekretär der Udineser Vikare des Patriarchen von Aquileia, Paolo Santonino, auf seiner ersten Reise durch Oberkärnten von den „gefüllten Teigwerken“ dieser Region.

Essen mit Tradition

Belegt ist die Kärntner Nudel auf jedenfall ab dem Jahr 1753: hier wurde die Speise im Spittal an der Drau aus der Herrschaft Porcia urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeist wurde die Kasnudel immer mittwochs und freitags im „Hospital Spittl“, einer Herberge für Wanderer und Arme, zubereitet – somit gilt für Historiker auch, dass die Kasnudel aus Oberkärnten stammt.

Jetzt aber zum Eingemachten: wie wird die Kasnudel gemacht? Hier möchte ich festhalten, dass es wohl soviele Nudelrezepte wie Kärntnerinnen gibt – und natürlich ist immer das eigene das einzig wahre und natürlich auch das Beste.

Die besten Kasnudeln der Welt!

So auch die Kasnudeln, welche meine Frau Ines zubereitet – diese sind natürlich tatsächlich die besten! Weshalb ich auch ihr Rezept hier präsentieren werde.

Also einmal zum Nudelteig:

  • 1 Kg Weizenmehl, glatt (wichtig) – macht den Teig geschmeidiger und weicher
  • 3 Eier
  • 3 El Olivenöl
  • 15 g Salz
  • 375 ml Wasser (lauwarm)

Alle Zutaten zusammengeben und zu einem glatten Teig verkneten (umso länger geknetet wird desto besser), danach zumindest 20 Minuten rasten lassen (oder auch länger).

Dieser Schritt ist in den meisten Haushalten sehr ähnlich!

Nun ans eingemachte

Aber jetzt wird es Knifflig – und auch strittig – geht’s ja an die Fülle. Hierbei muss ich leider festhalten, dass Ines all dies nach gefühl macht, weshalb es keine wirklichen Mengenangaben gibt.

Fülle (alles nach Gefühl und Geschmack):

  • Mehlige Kartoffeln (als Richtwert: ca. 500 g, gekochte und geschälte Kartoffeln durch die Kartoffelpresse drücken)
  • Bröseltopfen (als Richtwert: ca. 500 g)
  • Salz
  • Pfeffer
  • Kerbel
  • Kärntner Nudelminze (Mentha austriaca, diese Minze ist in Kärnten und der Weststeiermark heimisch)
  • Gerösteter Zwiebel (wenn man es etwas herzhafter mag)

Alles zusammen rühren und ab damit in die Nudel – leider so einfach ist es nicht: Denn jetzt muss gekrendelt werden. Die ist die Kunst die Kasnudel richtig und auch sehr ansehnlich zu verschlissen – nicht wie eine schnöde Ravioli in Italien. Das Krendeln wird in Kärnten sehr ernst genommen, so sagt man, dass eine „Frau die krendeln kann, eine zum Heiraten ist!“

Nudel Minze (links) und Kerbel (rechts)

Krendeln – eine Kunstform

So ist auch folgendes Video entstanden, welches das Krendeln anschaulich erklärt. Hierbei hat Ines einer Salzburger Freundin, die einen Kärntner geheiratet hat, das Krendeln gezeigt.

Wenn dann die Kasnudel korrekt gefüllt und verschlossen wurde, ab mit ihr ins heiße Wasser und so lange köcheln bzw. ziehen lassen, biss die Nudel an der Oberfläche schwimmt (dies geht relativ schnell). Dann am besten mit brauner Butter servieren, bleibt etwas übrig, einfach in einer Pfanne mit Butter oder Schmalz anrösten (eignet sich auch perfekt als etwas deftigeres Frühstück).

Warum die Kasnudel mittlerweile auch über die Grenzen hinaus so bekannt sind, lässt sich auch leicht erklären: handelt es sich dabei um ein perfektes Tiefkühl-Gericht! Niemand in meinem Bekanntenkreis – also jene die aus Kätnten kommen – hat nicht ein paar Kasnudeln von Mama im Eisschrank liegen. Einfach die Nudeln blanchieren und dann im Gefrierbeutel tiefkühlen!

Also dann, Mahlzeit!